Zeitungsberichte

Die Zeitung war auch schon bei uns....

Der Tagesvater-Job ist eine echte Herausforderung

BERGKAMEN ? Allein unter Frauen: 55 Tagesmütter gehören der Familiären Kinder-Tagesbetreuung in Bergkamen inzwischen an, die 1997 mit sieben Tagesmüttern gestartet ist. Peter Volmerich ist derzeit der einzige Tagesvater.

Margret und Peter Volmerich mit ihrem Tageskind Celine (4 Jahre).

Die Reaktionen auf seinen neuen „Job“ seien bislang stets positiv gewesen. Ab und zu habe er sich als einziger Mann im Qualifizierungskursus aber durchaus unwohl gefühlt, gibt der 53-Jährige zu.

Gemeinsam mit seiner Frau Margret betreut Peter Volmerich quasi rund um die Uhr mehrere Kinder im Alter bis etwa sechs Jahren. Die 57-Jährige ist schon seit 2004 als Tagesmutter im Einsatz. Vor etwa einem Jahr entschied sich Peter Volmerich schließlich, seiner Frau bei ihrem „Fulltimejob“ zu helfen und erkundigte sich bei der Geschäftsführerin der Kinder-Tagesbetreuung, Margarete Hackmann, nach einem Qualifizierungskursus.

Zweimal in der Woche, insgesamt 160 Stunden, beschäftigte sich der ehemalige Lkw-Fahrer fortan mit der kindlichen Entwicklung und Erziehung sowie den Rechten und Pflichten der Betreuer – als einziger Mann unter 14 Frauen. „Das war schon eine echte Herausforderung für mich, manchmal kam ich mir sehr verloren vor“, gesteht der frisch gebackene Tagesvater. Vor allem Rollenspiele seien ihm schwer gefallen und als es um das Thema Missbrauch ging, habe es sich als Mann besonders schlecht gefühlt. Auch vor der mündlichen Prüfung hatte Peter Volmerich „ein bisschen Angst“. Ende Juni erhielt er aber sein Zertifikat, und stellte in der Praxis schnell fest: „Jedes Kind ist anders, und die Mädchen können untereinander ganz schön zickig sein.“

Den alten Job hat Volmerich aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben, aber auch, weil er öfter zu Hause bei seiner Frau sein wollte. „Vorher war ich täglich 13 bis 14 Stunden unterwegs.“ Mit seiner Rolle als Quasi-Hausmann und Tagesvater habe er sich mittlerweile gut arrangiert. „Ich denke, das war die richtige Entscheidung“, so Volmerich.

Als reinen Job betrachten die Volmerichs das Tageselternsein aber nicht. „Das Wichtigste sind die Kinder, Kinder waren uns schon immer wichtig“, sagt Margret Volmerich, die drei eigene, mittlerweile erwachsene Söhne hat. Für ihre Tageskinder – die sie liebevoll „Maggie“ rufen – sei sie so etwas wie eine Ersatz-Oma.

Arbeitsteilung in der Familie

Die Arbeitsteilung mit ihrem Mann laufe inzwischen sehr gut. „Zu zweit ist es schon einfacher, gerade wenn man mehrere Kinder gleichzeitig um sich hat“, so die Tagesmutter. Denn die Volmerichs betreuen die Kinder nicht einfach nur bei sich zu Hause, sie bringen sie beispielsweise auch zum Kindergarten, holen sie ab oder fahren mit ihnen zum Arzt – und ab und zu bleiben die Schützlinge sogar über Nacht. Darüber hinaus böten sie auch den Eltern gerne ihre Hilfe an. So habe ihr Ehemann einer jungen Mutter wie selbstverständlich beim Renovieren geholfen. „Wir sind in diesem Sinne eigentlich keine normalen Tageseltern, denn wir sind rund um die Uhr da“, so Margret Volmerich, die die meisten „ihrer“ Kinder gleich über mehrere Jahre hinweg betreut.

Da einige der Jungen und Mädchen von allein erziehenden Müttern, die aus beruflichen Gründen auf das Betreuungsangebot angewiesen sind, großgezogen würden, sei eine männliche Bezugsperson durchaus gerne gesehen: „Bei unserem Kleinen hier bin ich inzwischen abgeschrieben“, berichtet Margret Volmerich lachend und deutet auf einen aufgeweckten Zweijährigen, der ihnen über das Jugendamt anvertraut wurde.

Eine große Spielecke und ein Garten mit allerlei Spielgeräten und Platz zum Toben zeugen bei den Volmerichs vom ständigen Kinderbesuch. Doch bei allen Spielmöglichkeiten wird auch auf einen geregelten Tagesablauf und feste Strukturen geachtet. „Da sind wir noch vom alten Schlag, viele der Kinder kennen so etwas gar nicht mehr“, erklärt die Tagesmutter. Gegessen wird immer gemeinsam am Tisch. „Ich mache gerne Suppen, Nudeln und Kartoffeln mit Spinat, alles andere kocht meine Frau“, erklärt Peter Volmerich.

Verein sucht weitere Männer

Zurzeit ist der 53-Jährige der einzige Mann im Tagesmütterverein und die Volmerichs sind als Ehepaar die einzige Betreuungsgemeinschaft; der erste Tagesvater ist Peter Volmerich jedoch nicht. „Wir hatten früher schon zwei Tagesväter im Team, und ein weiterer ist gerade in der Qualifizierung“, so Margarete Hackmann, die auch gerne noch weitere „Väter“ aufnehmen würde. „Von unserer Seite gibt es da keine Vorbehalte.“ Schließlich seien für Kinder auch männliche Rollenvorbilder wichtig.

Die Volmerichs stehen derzeit allerdings vor einem Problem. Als Gemeinschaft dürften sie nun neun Kinder gleichzeitig betreuen. Das komme zwar so nicht vor, den Vermietern ihres Hauses würde es aber trotzdem zu viel. Deshalb müssen die Volmerichs sich nach einer neuen Bleibe umsehen, was in Bergkamen gar nicht so einfach sei. Die Tagesbetreuung möchte das Paar nicht aufgeben – ein kinderfreundlicher Vermieter, ein Garten und genug Platz zum Spielen sind ein Muss ? nm

Quelle: http://www.wa.de/nachrichten/kreis-unna/bergkamen/tagesvater-job-eine-echte-herausforderung-1388905.html

Ist Kinderbetreuung immer noch Frauensache

Tagesvater werden ist nicht schwer, Tagesvater sein dagegen sehr: So könnte die Situation im Kreis Unna beschrieben werden. Zur Zeit gibt es kaum Männer, die auf Kinder aufpassen, trotz guter Qualifizierungsmaßnahmen.

Kreis Unna. Peter Vollmerich ist seit März 2011 als Tagesvater in Bergkamen tätig. Gemeinsam mit seiner Frau Margret betreut er zur Zeit sieben Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. „Für zwei weitere Kinder habe ich im Moment noch Platz“, sagt er. Er ist der einzige Tagesvater in Bergkamen. In Unna, Holzwickede und Bönen sind keine Tagesväter bekannt.

Die familiäre Kinder-Tagesbetreuung („Famkitabe“) kooperiert seit 15 Jahren mit der VHS. Angehende Tagesväter sind nur vereinzelt dabei. Zur Zeit gibt es fünf Tagesväter in Kamen und einen in Bergkamen. Ein Grund ist, dass in dem Beruf nicht sehr viel verdient werden kann. „Generell gibt es in pädagogischen Berufen wenig Männer“, bedauert „Famkitabe“-Geschäftsführerin Margarete Hackmann. Das sei schade, da die Kinder so zu wenig männliche Vorbilder hätten. „Männer toben auch anders; robuster und rauer“, sagt sie. Leider gäbe es bei den Eltern des Öfteren Vorbehalte gegenüber Männern. „Manche befürchten sexuellen Missbrauch“, erklärt Margarete Hackmann. Dies sei leider in den Köpfen drin.

„Ich kam schon immer gut mit Kindern zurecht“, erzählt Vollmerich. „Früher habe ich als Lkw-Fahrer gearbeitet, und meiner Frau am Wochenende geholfen. Sie war damals schon als Tagesmutter tätig. Nach einer Verletzung am Bein habe ich dann auch auf Kinderbetreuung umgesattelt. Ich spiele mit den Kindern und hole sie auch von der Schule oder aus dem Kindergarten ab“, beschreibt er seine Tätigkeit. „Bei gutem Wetter gehen wir auch auf einen Spielplatz.“

Im Frühjahr will er im Garten seines Hauses selbst ein paar Spielmöglichkeiten für „seine“ Kinder aufbauen. Auch Vollmerichs Schwiegereltern sind in die Betreuung mit eingebunden. „So ist für die Kinder auch die Großelterngeneration präsent“, sagt Vollmerich. Dass er als Mann besonders auf Jungen eine andere Wirkung hat als eine Frau, kann er nur bestätigen. „Mit Jungen spiele ich auch etwas rauer.  In gewisser Weise sehen sie mich auch als Vorbild.“

Voraussetzung für eine Tätigkeit als Tagesvater sei vor allem die Liebe zu Kindern und Idealismus, sowie das Vorhandensein von geeigneten Räumlichkeiten, erklärt Margarete Hackmann. Ein Vorteil, aber keine Voraussetzung, seien eigene Kinder. Wichtig ist die Teilnahme an einer Qualifizierung. Ab Freitag (27. Januar) wird ein neuer Lehrgang angeboten. Infos gibt es bei der „Famkitabe“ (Tel. 02307/280633). Anmeldungen sind bei der VHS möglich (Tel. 02307/284953).

Quelle: www.lokalkompass.de/kamen/leute/ist-kinderbetreuung-immer-noch-frauensache-d129113.html